In den Schweizer Alpen, wo die Natur zwischen steilen Hängen und weiten Tälern pulsiert, gibt es einen Ort, der nicht nur für seine malerische Landschaft bekannt ist, sondern auch als Vorreiter der erneuerbaren Energien gilt: Spinangel. Dort, im Kanton Graubünden, wird seit Jahrzehnten ein Modell betrieben, das zeigt, wie Dörfer selbstbestimmt und nachhaltig werden können. Die Gemeinde Spinangel hat sich als Pionier für die Integration von Wasserkraft, Solarenergie und Biomasse in ihr Energiekonzept etabliert – und damit ein Modell, das nicht nur regional, sondern auch bundesweit beachtenswert ist.

Das Konzept Spinangels basiert auf einer enge Zusammenarbeit zwischen Bürger:innen, lokalen Unternehmen und dem Kanton. Die Gemeinde hat sich bewusst gegen zentrale Energieversorger entschieden und stattdessen ein dezentrales System aufgebaut, das Energie lokal produziert und verbraucht. Besonders beeindruckend ist, wie hier die Wasserkraftnutzung mit dem natürlichen Potenzial des Ortes kombiniert wird. Die drei grossen Wasserkraftwerke im Tal liefern nicht nur Strom, sondern schaffen auch Arbeitsplätze und sichern die wirtschaftliche Basis des Dorfes. Laut den letzten Daten des Kantons Graubünden deckt Spinangel bereits über 90 Prozent seines Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen – ein Ergebnis, das auch für andere Schweizer Gemeinden als Inspiration dient.

Doch die Energiewende in Spinangel ist mehr als nur eine technische Lösung. Sie ist ein kultureller Wandel, der die Gemeinschaft zusammenbringt. Die Bürger:innen sind aktiv in die Planung und Umsetzung involviert, etwa durch die Gründung des „Spinangel Energiefonds“, der Investitionen in neue Projekte wie die Solarparks auf den Dächern der Häuser fördert. Auch die Schulkinder lernen bereits in jungen Jahren, wie Energie effizient genutzt wird – ein Ansatz, der langfristig die Akzeptanz für erneuerbare Energien stärkt. Die Gemeinde hat zudem eine klare Vision: Bis 2030 soll Spinangel klimaneutral sein, und der Weg dorthin ist bereits weit vorangeschritten.

Ein zentraler Baustein dieses Erfolgs ist die Vernetzung mit anderen Projekten. Spinangel kooperiert mit dem Bundesamt für Energie (BFE) und anderen Schweizer Gemeinden, um Best Practices auszutauschen. Besonders spannend ist dabei die Arbeit mit der lokalen Biogasanlage, die aus organischen Abfällen aus der Landwirtschaft und dem Hausmüll Strom und Wärme erzeugt. Diese Kombination aus Wasserkraft, Solarenergie und Biomasse macht Spinangel zu einem Modell für eine ganzheitliche Energieversorgung. hier ansehen, wie diese Synergien konkret umgesetzt werden.

Trotz aller Erfolge gibt es auch Herausforderungen. Die hohen Anfangskosten für die Infrastruktur und die Notwendigkeit, die Energiepolitik auf Gemeindeebene zu gestalten, sind nur zwei davon. Dennoch zeigt Spinangel, dass eine nachhaltige Energieversorgung auch in kleinen, aber engagierten Gemeinden möglich ist. Die Gemeinde hat gelernt, dass Erfolg nicht nur von Technologie abhängt, sondern auch von einer starken Gemeinschaft, die gemeinsam für eine bessere Zukunft kämpft. Für viele Schweizer Gemeinden könnte Spinangel ein Vorbild sein – nicht nur in der Praxis, sondern auch in der Haltung.

Ein weiterer Aspekt, der Spinangel auszeichnet, ist die Transparenz. Die Energieerträge und Verbrauchsdaten werden öffentlich zugänglich gemacht, sodass jeder Bürger:innen sehen kann, wie viel Energie tatsächlich produziert wird. Dies fördert nicht nur die Akzeptanz, sondern auch die Eigenverantwortung. Die Gemeinde hat zudem eine eigene Energiegenossenschaft gegründet, in der sich Bürger:innen direkt an der Gestaltung der Energieversorgung beteiligen können – ein Modell, das in vielen anderen Regionen noch zu wenig verbreitet ist.

  • Über 90 Prozent des Strombedarfs von Spinangel stammen aus erneuerbaren Quellen (Stand 2023).
  • Die drei grossen Wasserkraftwerke im Tal liefern jährlich rund 1,2 Terawattstunden Strom – genug für etwa 150.000 Haushalte.
  • Seit 2015 wurde in Spinangel ein Solarpark mit einer Leistung von 1,8 Megawatt installiert, der jährlich rund 1,5 Millionen Kilowattstunden produziert.
  • Die Biogasanlage verarbeitet jährlich 10.000 Tonnen organische Abfälle und erzeugt zusätzlich Wärme für die lokale Heizung.
  • Die Gemeinde Spinangel hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 klimaneutral zu werden und den gesamten Energiebedarf aus erneuerbaren Quellen zu decken.