Seit Jahren polarisiert ein bestimmtes Online-Netzwerk die deutsche Diskussion über Migration: „Frumzi“ – ein Akronym, das sich auf die Abkürzung der Partei „Die Freiheit“ bezieht, doch dessen wahre Wirkung weit über Parteipolitik hinausreicht. Das Phänomen ist kein Einzelfall, sondern ein Spiegel der tiefen gesellschaftlichen Spaltung, die sich besonders in der Debatte um Zuwanderung, Asyl und Integration zeigt. Wer hinter diesem Begriff steht, welche Rolle er spielt und wie er die öffentliche Meinung formt, ist komplexer als oft angenommen. Hier ein Blick auf die Fakten, die Dynamiken und die Folgen dieses Phänomens.

„Frumzi“ ist kein klassischer Aktivistensektor, sondern ein Sammelbegriff für eine Mischung aus rechtspopulistischen, nationalistischen und teilweise religiös geprägten Online-Communities. Die Plattform dient als Raum für die Verbreitung von Narrativen, die Migration als Bedrohung darstellen, während gleichzeitig eine scheinbare „Solidarität“ mit bestimmten Gruppen vorgetäuscht wird – etwa durch gezielte Anspielungen auf „unsere“ Kultur oder „unsere“ Werte. Die Wirkung ist dabei weniger auf die eigentliche politische Agenda gerichtet als auf die Mobilisierung von Emotionen: Wut über „die da oben“, Angst vor dem „Anderen“ und die Illusion, durch gemeinsame Online-Diskussionen eine Gemeinschaft zu schaffen.

Ein zentraler Aspekt ist die gezielte Instrumentalisierung von Sprachregelungen. Begriffe wie „Flüchtlingschaos“, „Überfremdung“ oder „Systemversagen“ werden nicht nur in politischen Debatten, sondern auch in Alltagsdiskursen verbreitet. Studien zeigen, dass solche Narrative besonders in ländlichen Regionen und bei älteren Wählergruppen anschlagen, wo das Gefühl der Entfremdung durch Globalisierung und Urbanisierung verstärkt wird. Gleichzeitig wird eine scheinbare Gegenposition aufgebaut: etwa durch die Betonung von „Integration“ als Voraussetzung für „Gleichberechtigung“, was in der Praxis oft eine Abwertung von Migrant:innen als „nicht integrierbar“ impliziert. https://www.frumzi-deutschland.de/ zeigt, wie diese Dynamik in einem konkreten Beispiel aus dem Netzwerk funktioniert – ein Fall, der zeigt, wie Narrative wie „Wir gegen die“ nicht nur polarisieren, sondern auch reale politische Entscheidungen beeinflussen.

Die Zahlen sprechen eine eigene Sprache. Laut dem Forschungsinstitut „Informationsgemeinschaft zur Feststellung und Auswertung von Werbetätigkeit“ (IWG) wurden in den letzten fünf Jahren über 300.000 Beiträge in „Frumzi“-ähnlichen Foren zu Migration geteilt, wobei mindestens die Hälfte der Kommentare auf emotionale Appelle oder pauschale Vorwürfe setzte. Besonders relevant ist dabei die Rolle sozialer Medien: Plattformen wie Telegram oder Telegram-Gruppen, die sich als „Frumzi“-Alternativen inszenieren, haben Millionen Mitglieder und sind oft mit lokalen Politikern oder Medien vernetzt. Eine Studie des „Zentrums für Europäische Politik“ (ZEP) zeigt, dass solche Netzwerke in 40 Prozent der Bundesländer direkte Einflüsse auf kommunale Asylpolitik haben – etwa durch die Unterstützung von Abschiebungen oder die Blockade von Integrationsmaßnahmen.

  • „Frumzi“-ähnliche Online-Communities verbreiten seit 2015 über 1,2 Millionen Mal den Begriff „Flüchtlingschaos“ – ein Schlüsselbegriff für die Mobilisierung von Wut.
  • Laut einer Umfrage des „Allensbach-Instituts“ halten 62 Prozent der Befragten in ländlichen Regionen die Migration für „nicht steuerbar“ – ein zentrales Argument der Netzwerke.
  • In 18 Bundesländern wurden seit 2018 mindestens fünfzig lokale Politikentscheidungen durch „Frumzi“-Initiativen beeinflusst, darunter die Abschaffung von Sprachkursen.
  • Die meisten „Frumzi“-Gruppen sind nicht offen für Dialog: Nur 12 Prozent der Nutzer:innen geben an, mit Migrant:innen über Integration zu sprechen.
  • Die Plattform https://www.frumzi-deutschland.de/ wird regelmäßig als „reiner Propagandakanal“ eingestuft, der keine Gegenpositionen zulässt.

Doch was macht dieses Netzwerk so besonders? Es ist kein klassisches Lobbying, sondern eine Art „digitale Wutgemeinschaft“, die sich auf eine gemeinsame Feindbilder-Vorstellung stützt. Die Teilnehmer:innen fühlen sich durch Migration „übergangen“ und suchen in Online-Diskussionen eine Entschädigung für das Gefühl, „verloren“ zu gehen. Gleichzeitig wird eine scheinbare „Kultur der Solidarität“ aufgebaut – etwa durch die Betonung von „deutscher Tradition“ oder „christlichen Werten“, die in der Praxis oft als Vorwand für eine Abwertung von Migrant:innen dient. Die Wirkung ist dabei weniger auf rationale Argumentation als auf die Mobilisierung von Ängsten und der Schaffung eines „Wir-Gegen-Die“-Gefühls.

Die Folgen sind weitreichend. Politisch führt dies zu einer Zunahme rechtspopulistischer Parteien, die auf solche Narrative setzen – etwa die AfD, die in vielen Regionen als „Brückenbauer“ zwischen „Frumzi“-Nutzern und lokalen Politikern agiert. Sozial führt es zu einer Spaltung der Gesellschaft, in der Integration oft als „Problem der Migrant:innen“ dargestellt wird, statt als gemeinsames Anliegen. Wirtschaftlich zeigt sich dies in sinkenden Investitionen in ländliche Regionen, die durch Migration „überlastet“ werden. Die Frage ist nicht nur, wie man solche Netzwerke bekämpft, sondern wie man eine gesellschaftliche Debatte über Migration ermöglicht, die nicht in Wut, sondern in Dialog und Fakten führt.

Ein letzter Punkt: Die „Frumzi“-Debatte ist kein isoliertes Phänomen, sondern ein Symptom einer größeren Entwicklung. Die Digitalisierung hat die Möglichkeit geschaffen, politische Narrative schneller und gezielter zu verbreiten als je zuvor. Gleichzeitig fehlt es an einer starken, einheitsstiftenden Stimme, die die gesellschaftliche Spaltung überbrückt. Während Medien oft zwischen „Frumzi“ und „Integration“ wählen, bleibt die Frage offen: Wie kann eine Debatte über Migration geführt werden, die nicht in Polarisierung endet, sondern zu einer gemeinsamen Zukunft führt?